Unternehmensnachfolge

Nachfolge innerhalb der Familie

Checkliste und Zeitplan: Übergabe, Verkauf, Steuern und Abwicklung

Aktuelle Rechtslage: Das Bundesverfassungsgericht hat am 12. und 13. Oktober 2026 über die Erbschaft und Schenkungsteuer verhandelt (u. a. Az. 1 BvR 804/22 zur Verschonung von Betriebsvermögen; 1 BvF1/23 zu Freibeträgen, Steuersätzen und Grundbesitzbewertung). Ein Urteil steht aus. Bis dahin gilt das bisherige Recht. Wer eine Übertragung plant, kann es ggf. noch nutzen; in den Vertrag gehört dann eine Rückforderungs- bzw. Steuerklausel.

Zeitplan im Überblick

Phase Zeitraum Ergebnis
1 Klärung in der Familie Monat 0–6 Schriftliches Eckpunktepapier
2 Bestandsaufnahme Monat 3–9 Vollständige Unterlagen für den Berater
3 Bewertung & Varianten Monat 6–12 Durchgerechnete Modelle, Entscheidung
4 Finanzierung parallel Tragfähiger Kaufpreis-/Rentenplan, Bankzusage
5 Verträge Monat 9–18 Notariell beurkundete Vertragspakete
6 Umsetzung Stichtag Register, Finanzamt, Mitarbeiter informiert
7 Übergang & Nachlauf Jahr 1–7 Fristen eingehalten, Übergabe abgeschlossen

 Anlaufstellen: die Nachfolgebörse nexxt-change (IHK und Handwerkskammern), M&A-Berater, Branchenverbände, Hausbank. 

Phase 1: Klärung in der Familie (Monat 0–6)

Phase 2: Bestandsaufnahme (Monat 3–9)

Phase 3: Bewertung und Gestaltung (Monat 6–12)

Phase 4: Finanzierung (parallel)

Phase 5: Verträge (Monat 9–18)

Dokument Zweck
Übertragungs- bzw. Kaufvertrag Gegenstand und Bedingungen; Rückforderungsrechte und Steuerklausel
Pflichtteilsverzicht der Geschwister Verhindert spätere Nachforderungen (meist gegen Abfindung), notariell
Ehevertrag des Nachfolgers Unternehmen aus dem Zugewinnausgleich herausnehmen
Angepasster Gesellschaftsvertrag Nachfolgeklauseln, Stimmrechte, Rolle des Übergebers
Neue Testamente Für Übergeber und Nachfolger, abgestimmt auf die Übertragung
Vorsorge- und Unternehmervollmachten Handlungsfähigkeit im Notfall
Berater-/Geschäftsführervertrag Übergeber Klare Rolle und Vergütung nach der Übergabe

Phase 6: Umsetzung (Stichtag)

Phase 7: Übergang und Nachlauf (Jahr 1–7)

Steuern im Überblick

Steuer Wesentliche Punkte
Schenkung- und Erbschaftsteuer Freibeträge alle 10 Jahre: Ehegatte 500.000 €, Kind 400.000 €, Enkel 200.000 €, Geschwister 20.000 €. Betriebsvermögen: Regelverschonung 85 % (5 Jahre, Lohnsumme 400 %, Abzugsbetrag bis 150.000 €) oder Optionsverschonung 100 % (7 Jahre, Lohnsumme 700 %, Verwaltungsvermögen max. 20 %). Ab 26 Mio. € Verschonungsbedarfsprüfung oder Abschmelzung.
Einkommensteuer beim Verkauf Einzelunternehmen/Personengesellschaft (§§ 16, 34 EStG): ab 55 J. oder berufsunfähig Freibetrag 45.000 € (abgeschmolzen ab 136.000 € Gewinn), einmal im Leben ermäßigter Steuersatz (56 %). GmbH-Anteile (§ 17 EStG): Teileinkünfteverfahren, 60 % steuerpflichtig.
Schenkung / Versorgungsrente Ertragsteuerlich unentgeltlich, Buchwertfortführung (§ 6 Abs. 3 EStG). Versorgungsleistungen: Sonderausgaben beim Übernehmer, Einkünfte beim Übergeber.
Grunderwerbsteuer Befreit: Ehegatten, Kinder, Enkel, Schwiegerkinder (auch bei Verkauf). Nicht befreit: Geschwister, Neffen, Nichten. NRW: 6,5 %.
Umsatzsteuer Geschäftsveräußerung im Ganzen nicht steuerbar.

Hauptfallen:

  1. Betriebsimmobilien im Privateigentum (Sonderbetriebsvermögen, Betriebsaufspaltung) nicht mit übertragen → stille Reserven werden versteuert, auch bei Schenkung.
  2. Zu viel Verwaltungsvermögen → Verschonung entfällt teilweise oder ganz.

Die häufigsten Fehler

1. Zu spät anfangen: viele Gestaltungen brauchen Jahre Vorlauf; ein Todesfall nimmt alle Optionen.

2. Betriebsimmobilien übersehen.

3. Geschwister nicht einbinden → Pflichtteilsstreit.

4. Kein Ehevertrag beim Nachfolger.

5. Übergeber lässt nicht los: Rollen vorher schriftlich festlegen.

6. Banksicherheiten vergessen: Eltern haften weiter.

Beraterteam und Anlaufstellen

Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht mit Nachfolge-Schwerpunkt, Notar, ggf. Bewertungsgutachter. Kostenlose Erstorientierung bei IHK oder Handwerkskammer; Zuschuss zur Beratung über die BAFA-Beratungsförderung; Übernahmefinanzierung über KfW.

Diese Übersicht dient der Orientierung und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Die Gestaltung muss auf den konkreten Fall zugeschnitten werden. Nachfolge durch Verkauf an einen externen Käufer Page

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